Change Management

»Verlage haben den Wandel nie gelernt«

Markus Wilhelm, Publisher Consultants

Alle reden von Change Management, aber keiner macht es wirklich“, kritisiert Berater und Webinar-Referent Markus Wilhelm (Publisher Consultants). Was die Verlage beim Change Management falsch machen und wie der Wandel gelingen kann, erläutert er im Interview.

Warum tut sich die Branche schwer mit dem digitalen Wandel?

Der Druck kommt von außen – das ist die Herausforderung. Oft hören wir: Warum treibt nicht die Branche die Digitalisierung voran, sondern lässt sich treiben, reagiert nur? Weil wir es nicht gelernt haben. Eine IT-Bude erfindet sich jedes Jahr neu. Die Verlagsbranche als alte Traditionsbranche ist das nicht gewohnt, sie hat in der Vergangenheit im Vergleich zu anderen Branchen sehr wenige Veränderungen durchlebt. Jetzt wird die Branche vom digitalen Wandel überrollt. Jetzt kommt es auf die Führungskräfte an.

Muss jeder Mitarbeiter jetzt ein Change Manager sein?

Nein. Die Führungskräfte müssen die Veränderung vorleben, d.h. das sie im ersten Schritt selber den Veränderungsprozess annehmen und die Notwendigkeit zur Veränderung erkennen. Dieser Schritt ist wichtig, damit sie den MA innerhalb der Umsetzung Sicherheit geben und überzeugen, dass die Veränderung zur Verbesserung führt.

Was muss ein guter Change Manager mitbringen?

Kommunikationsbereitschaft, Freude, eine gute Moderationstechnik. Ein guter Change Manager braucht einerseits viel Einfühlungsvermögen, muss sich aber auch durchsetzen können. Er muss einerseits Visionär sein, andererseits realistische Ziele setzen. Und er muss ein authentisches Vorbild sein.

Was machen Verlage beim Thema Change Management häufig falsch?

Change Management ist ein Buzzword. Jeder nimmt es in den Mund. Aber keiner macht es wirklich. Kaum einer weiß, was sich hinter Change Management wirklich verbirgt. Change-Management ist nicht nur die Einführung von neuen Prozessen und Abläufen. Veränderungsprozesse lösen immer auch Emotionen – Ängste, Sorgen, Nöte – bei den Beteiligten aus und diese gilt es auf- und einzufangen, damit die Notwendigkeit zur Veränderung erkannt und gelebt werden kann. Die wenigsten machen sich Gedanken darüber, welche Werkzeuge es gibt, um Veränderungen voranzutreiben. Wichtig ist, Know-how über die Instrumente und Möglichkeiten des Change Managements aufzubauen. Ein einfaches Grundlagenwissen wird nicht ausreichen, um die Veränderung nachhaltig zu implementieren.

Was raten Sie Verlagen?

Verstehen Sie jede Veränderung als ein Projekt. Es reicht nicht, das Ziel vorzugeben und zu sagen: Macht mal digitale Produkte, setzt mal ein neues IT-System auf! Die Mitarbeiter müssen ihre Welt neu denken, jede Veränderung bringt neue Prozesse, neue Tools, neue Dienstleister mit sich. Das kann man nicht nebenbei machen.

Leben Sie den Wandel, seien Sie ein Vorbild! Zeigen Sie Ihren Mitarbeitern, dass Veränderung etwas Gutes ist. Peilen Sie viele schnelle Gewinne an. Starten Sie erst einmal mit kleinen, erfolgsversprechenden Projekten, um zu zeigen, dass Veränderungen sich lohnen. Und feiern Sie den Erfolg – und wenn er auch noch so klein ist.